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Erfolg spricht Englisch Maria Schmitz
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In Jamaika läuft ein zweisprachiges Bildungsprojekt. Daher dieser Diskurs

Jamaikanisch – die gesprochene Sprache
Eine Mischung aus Englisch des 17. Jahrhunderts und dem westafrikanischen Twi

Quelle : http://www.jumieka.com

Die Sprache des durchschnittlichen Jamaikaners wird verschiedentlich als Patois bzw. Creole bzw. schlechtes Englisch beschrieben, abhängig von dem Gefühl des Stolzes oder der Geringschätzung des Sprechers. Die Einstellung der Jamaikaner bezüglich der Sprache, die sie am häufigsten – wenn nicht immer – sprechen, ist gespalten. Obwohl Englisch die offizielle Landessprache ist, und obwohl eine Variante namens jamaikanisches Englisch anerkannt wird, hört man dies meist in formellen Situationen. Es sei denn, man will mit "speaky-spoky"4 beeindrucken. Der gemeinsame Gebrauch reicht von jamaikanischem Englisch bis hin zum Urpatois in zirka drei Variationen und oft innerhalb einer einzigen Unterhaltung der gleichen Person.

Die Ursprünge dieser Sprache

Linguisten haben “reines” Jamaikanisch, - das meist in ländlichen Gegenden mit regionalen Unterschieden gesprochen wird, – als eine Mischung aus Englisch des 17. Jahrhunderts und dem westafrikanischen Twi identifiziert. Das heißt, man erkennt am meisten Twi Konstruktionen und Wortschatz vermengt obendrein mit etwas Spanisch und Portugiesisch. Die Akzente und Tonfälle stammen aus dem Schottischen und Irischen. In Anbetracht der Geschichte des Landes dürfte dies nicht überraschen, zumal die Masse der Bevölkerung von Sklaven abstammen, die aus Westafrika zuerst von den Spaniern, verschleppt wurden, dann Englisch von ihren britischen Sklavenhaltern, Aufpassern, und Missionaren lernten.

Aktueller Stand

Potentiell fünf Millionen Menschen, die Bevölkerung einschließlich der Ausgewanderten, sprechen Jamaikanisch in der einen oder anderen Form. Wie jede andere lebendige Sprache verändert sie sich kontinuierlich im Laufe der Zeit. Es dürfen lediglich einige ältere Menschen im Busch auf dem Lande oder isoliert in Brixton oder Brooklyn geben, die Urpatois bzw. das noch sprechen können, was zu den Annalen als archaisches oder klassisches Jamaikanisch gelegt werden wird. Das, was die Mehrheit spricht, wird irgendwo mitten im Spektrum fallen. Neue Wörter werden ständig geprägt wie z. B. haatikal und tapanaaris, oder wie bling-bling (aus einem neueren Slang der Rapmusik). Letzterer Begriff wird durch die Einfachheit des nternationalen Reisens und der elektronischen Kommunikation leicht ermöglicht. Die Sprache wird sich verändern, aber sie wird nie aussterben, denn sie assimiliert stets neue Wörter. Solange die Sprachmuster der Jamaikaner gleich bleiben, werden sie Englisch zueigen machen. Gleichgültig wie sehr sie verdrängt wird, ist dies die Sprache, die Jamaikaner immer sprechen werden. So ist es bereits. Es ist ihre Sprache mehr als alles andere, die sie zu einem einzigartigen Volk macht.

Jack Mandora, Ich wähle keine.

Bis jetzt ist Jamaikanisch eine Sprache gewesen, die nur durch Sprechen weitergereicht wurde. Die wenigen, die den Versuch unternommen haben, sie zu schreiben, bedienten sich einer Vielzahl von Schreibweisen, was dazu geführt hat, dass sie schwer zu vereinheitlichen war. Dies wiederum hat als Abschreckung von Schreiben und Lesen gedient. Es gibt keine Literatur - ausgenommen das von Louise Bennett und einige Anancy-Geschichten. Sogar diese wurden weitestgehend annähernd dem Englischen niedergeschrieben, was dem Ton und der Kraft der Sprache nicht gleichkommt.

Phonetisches System

Zwei Linguisten namens Cassidy und LePage haben eine Orthographie entwickelt, die den Klang des Jamaikanischen annähert. Der Hauptansatz ist der Gebrauch von hn, um die weiche Schlusslaut wie in folgenden Beispielen wiederzugeben: ahn, dehn, hihn. Mit dieser Methode hofft man eine Orthographie zu etablieren, um die Sprache für die Nachwelt zu erhalten, bevor noch etwas davon verlorengeht.

Jamaikaner haben vielerlei Art zu sprechen. Dies reicht vom Englisch der britischen Königin, anders bekannt als "speaky-spoky,"4 bis hin zum Urpatois. Einige Wörter werden auf fünf verschiedene Arten ausgesprochen, was die Festlegung einer Schriftsprache erschwert. Es gibt keine einzig richtige Art der Aussprache. Dies hängt vom Hintergrund des Sprechers, von seiner Erziehung und Ausbildung ab sowie von dem Anlass, zu dem gesprochen wird. Laut der Theorie der Diglossia erhält eine Sprache bei der Interaktion zwischen zwei Sprachen einen höheren Status. Sie wird geschrieben und findet formelle Anwendung, während die andere häufiger gesprochen werden mag, als dass sie geschrieben wird. Dabei wird Letztere gering geschätzt. Nach dieser Theorie wäre Englisch der Akrolekt1, während Jamaikanisch der Basilekt2 sein würde. Die zwei Sprachen vermengen sich derart, dass eine Sprachform, das man als Mesolekt3 bezeichnet, entsteht.


Fußnoten

1 Als Akrolekt bezeichnet man die mit dem meisten Prestige ausgezeichnete Form einer Sprache, die meist identisch mit der Standard- oder Hochsprache ist. Der Begriff rührt her von griechisch: akros (an der Spitze) und griechisch: lektos (Redeweise). Er geht zurück auf Derek Bickerton, der diesen Begriff vorschlug, um das Verhältnis von Kreolsprachen zur Standardsprache, in diesem Falle zum Englischen zu beschreiben.

2 Als Basilekt bezeichnet man nach Derek Bickerton die kreolische Form einer Sprache, die am meisten von der Standardsprache abweicht.

3 Als Mesolekt bezeichnet man Sprachformen im "Kontinuum" zwischen Basilekt und Akrolekt. Es ist also eine abgeschwächte Form eines starken kreolischen Dialekts darstellt, die sich der Standardsprache angenähert hat.

4 Speaky-spoky ist der Versuch, britisches Englisch nachzuahmen.